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![]() Dorothee Oberlinger | Presse "Gipfeltreffen auf Schloss Leitheim" Neuburger Sommerakademie 2005 Drei lässig gekleidete, barfüßig ins Gras gelagerte Gestalten mit Schalmei, Geige und Laute: Ohne Zweifel vergnügen sich die heiter-arkadischen MusikantInnen auf den berühmten Rokoko-Fresken von Schloss Leitheim gerade mit einer Triosonate, wohl nicht gerade von der komplizierten, aus der Mode geratenen Art Johann Sebastian Bachs, vielleicht aber mit einem leichteren, verspielt-eleganten Satz aus den Sonaten Händels. Die leibhaftigen Musiker auf dem Parkett des Schlosssaales widmeten sich unterdessen der Kammermusik beider spätbarocker Meister, und da sie zur weltweiten Elite der Alte-Musik-Szene gehören, wurde nicht fröhlich dilettiert, sondern mit höchster Kunst interpretiert. Der "Neuburger Sommerakademie", zu deren Auftakt dieses Leitheimer Schlosskonzert stattfand, verdankte sich die hochkarätige Besetzung des Ensembles: Dorothee Oberlinger an der Blockflötestand Anton Steck gegenüber, neben Reinhard Goebel der interessanteste Barockgeiger Deutschlands. Keine Geringere als Hille Perl, Botschafterin der Gambe, lieferte das Bassfundament, und Alexander Puliaev, Spezialist für Cembalo und Kammermusik, füllte es harmonisch aus. Wer bislang noch meint, der Blockflöte, dem "Flauto dolce" sei nur ein sanft-ebenmäßiger, glatt unverbindlicher Ton zu entlocken, dürfte das Spiel Dorothee Oberlingers wirklich ins instrumentale Weltbild funken: Der Klang strömt voll und rund, schmiegt sich ungeheuer plastisch und flexibel der Phrasierung an und lässt sich modulieren wie die Gesangsstimme. In Händels ausdrucksvoll kantablen Sätzen erhalten melodische | Linien mit ihren reich eingeflochtenen Verzierungen damit bislang ungehörte Nuancen und Farben, die affektiv-rhetorischen Gesten, ob fragend, klagend oder akklamierend, gewinnen Nachdruck und echte Überzeugungskraft. Man spürt: Hier hat jemand etwas mitzuteilen. Selbst in den kräftig und brillant musizierten schnellen Sätzen geht es nicht um elegante Geläuigkeit sondern um die Aussage jeder Phrase und Floskel. Ähnliches gilt Anton Stecks, der den markanten, obertonreichen und artikulationsfähigen Klang der Barockvioline konsequent in seiner Spielweise umsetzt. Mit dem ganzen Körper folgt er dem Gestus der Musik, die damit eine geradezu szeni-sche Präsenz gewinnt. Und Händels Kammermusik, oft als Nebenwerke und Amateur-Repertoire gesehen, wird zur (Neu-)Entdeckung, zu Musik voller Spannung, Dramatik und Gefühlstiefe. Wenn dann Steck und Oberlinger in den Triosonaten konzertieren, kommt es nicht nur zum üblichen Dialog, sondern zu einem ungemein fesselnden Schlagabtausch musikalischer Gestalten. Nach so viel bewegtem Leben führte Alexander Puliaev in die ganz andere Welt Johann Sebastian Bachs: In der "Fantasie und Fuge" (BWV 1027) für Cembalo erschloss er bei ruhigen und gelassenen Tempi die ganze Vielschichtigkeit des polyphonen Satzes. Hier konnte man staunend verfolgen, wie sich aus dem Zusammenspiel der eher floskelhaften Themen immer mehr Expressivität entwickelte. Und als sich in der G-Dur-Sonate für Gambe und Cembalo Bachs dicht gefügte Substanz mit der wunderbaren Klangfülle von Hille Perls sieben Saiten verband, konnte man endgültig in die Welt der reinen Musik abtauchen. Das begeisterte Publikum erklatschte noch zwei Zugaben, die dann wieder in die arkadische Welt der Fresken zurückführten. | ||||||||||||||