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![]() Cantus Cölln Konrad Junghänel | Presse Eröffnungskonzert der Buxtehude-Festwoche Lübeck 2007 "Ausdrucksstark und verständlich die Vokalisten (Johanna Koslowsky, Susanne Ryden, Elisabeth Popien, Wilried Jochens und Wolf Matthias Friedrich) - allesamt Singstimmen von so absoluter Klarheit und begnadetem Zusammenklang, dass man beim Anhören niederknien möchte. Gemeinsam mit historischen Instrumenten ließen sie eine Musik lebendig werden, die schon Bach bewunderte: zu Texten voller Glaubensgewissheit eine Fülle streng reglementierter musikalischer Stilmittel, die Dieterich Buxtehude in gezielter Grenzüberschrei- tung für seine Meisterstücke nutzte..." Hamburger Abendblatt, 07.05.2007 "Eine schönere Eröffnung der Festwoche für Dieterich Buxtehude kann es nicht geben. St. Jakobi war der ehrwürdig-festliche Raum für das Konzert, die Kirche war bis auf den letzten Platz, gefüllt, als der große Lübecker zusammen mit Komponisten seiner Zeit aufgeführt wurde ... Den zarten Beginn einer Kantate von Nikolaus Bruhns "Ich liege und schlafe ganz mit Frieden" wird man ebenso wenig vergessen wie das bittere Konzertstück von Matthias Weckmann "Wie liegt die Stadt so wüste". Seine Zeitgenossen überragend aber erklang Buxtehude. Seine Kantate "Gott hilf mir" war der Höhepunkt, gesungen mit feinsten Verästelungen und verzierenden Koloraturen und dem Trost des "Fürchte dich nicht!" Wie eine Antwort klang es, als Cantus Cölln und die Musiker mit einer der wundervollsten Barockmelodien für den langen Applaus dankten - mit Johann Sebastian Bachs "Jesu, meine Freude". Lübecker Nachrichten, 08.05.2007 Bachwoche Ansbach 2005 Es soll ja Eltern geben, die haben die Bach-Motetten-CD von Cantus Cölln immer bei langen Autofahrten dabei. Zum einen, weil sie gar so schön klingt, zum anderen weil diese Platte verlässlich, wie keine sonst, den unruhigen Nachwuchs auf der Rückbank in süßen Schlummer wiegt. Mit Bachs Gottvertrauen ruht sich sanft, erst recht, wenn Cantus Cölln es singt. Bei der Bachwoche, wo der Auftritt des Ensembles überfällig war, hatte die Solistenvereinigung allerdings keine dieser Motetten im Programm, sondern ein paar von deren Ahnen. Konrad Junghänel und die seinen hatten im Altbachischen Archiv geblättert und vor allem Werke des Eisenacher Bach-Onkels Johann Christoph herausgezogen. Kantaten, Lamentos und Motetten,jedes Stück so, dass man seinem späteren Verwandten, Carl Philipp gern jedes Wort abnimmt: "Besonders ist obiger Johann Christoph in Erfindung schöner Gedanken, sowohl, als im Ausdrucke der Worte, stark gewesen. Er setzte, so viel es nämlich der damalige Geschmack erlaubte, sowohl galant und singend, als auch ungemein vollstimmig." | Damit ist über die Jahrhunderte auch schon ziemlich genau umrissen, was Cantus Cölln, die Sänger und die Instrumentalisten auszeichnet: galant, singend, ungemein vollstimmig, im Sinne von volltönend, stark im Ausdrucke der Worte, (das heißt bildhaft, wo richtig auch dramatisch, affektwendig und bisweilen voll transzendenter Schönheit, letzteres nicht zuletzt wegen Johanna Koslowskys prägendem und prägnantem Sopran. Die erste Motette zum Beispiel, "Herr, nun lässest du deinen Diener". Wie Cantus Cölln den Bogen vom "Herr" des Anfangs zum Ende spannt, Zentralworte wie "Friede", "Heiland" und "Licht" zum Schwingen, Schweben und Strahlen bringt, allein das ist schon hohe, höchste Interpretationskunst und lässt die hellere Seite von Johann Christophs Bachs Ausdruckskunst aufscheinen. Die dunklere, traurig-edle, mit Violinschluchzern durchwirkte Seite findet man in den Lamento-Arien. Dass Klage aber, in Musik verwandelt, Trost sein kann, dass sie Schmerz bewegend darstellt und zugleich in Glück verwandelt, dies ist hier auch zu hören. Konrad Junghänel breitet das tränenreiche Lamento "Ach, dass ich Wassers gnug hätte" mit wunderbarer Gelassenheit aus, so dass sich der Streicherklang, unterfüttert vom warm-üppigen Orgelpositiv, ruhig und mit feiner Klangsinnlichkeit entfalten kann und sich um Elisabeth Popiens Alt wie eine schützende Decke hüllt. Popiens Stimmedringt allerdings nicht so klar durch wie die ihrer Kollegen, ist aber klar geführt. Das andere Lamento "Wie bist du denn, o Gott, in Zorn auf mich" gestaltet Wolf Matthias Friedrich (in der erotisch-tafelfreudigen Hohelied-Vertonung auch ein nuancierter Stimmschauspieler) wortgenau und mit schlank-beweglichen Bassbariton. Der besitzt überraschende Tiefe und nimmt einen hinab "in den Abgrund" - man hört es mit wohligem Erschrecken über die unerwartete Anschaulichkeit. Noch unerhörter ist die Höllen-Exkursion in der Kantate "Herr, wende dich und sei mir gnädig", Cantus Cölln malt Johann Christoph Bachs phosphorisierende Harmonien mit fahlem Glimmen in die Luft. Zum Schluss singt Cantus Cölln dann doch noch eine Bach-Motette. Die war eine Zeit lang dem "profonden" Eisenacher Onkel zugeschrieben, ist jetzt aber wieder beim berühmtesten Bach angekommen und wird an diesem eindringlichen Abend transparent, plastisch und federnd musiziert: bannend. So bannend, dass nach dem kurzen Stück der Applaus warten lässt als wären die Zuhörer in andere Sphären entglitten. Den Cantus-Cölln-Effekt gibt's nicht nur bei Autofahrten. Fränkische Landeszeitung, 01.08.2005 | ||||||||||||||