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Sonatori de la Gioiosa Marca

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Wie ein Pastellgemälde

Schon vor Antonio Vivaldi gab es in der Battaglia, der Pastorale und in Werken Rameaus und Couperins Ansätze, ein "begrifflich fassbares Sujet" musikalisch auszumalen. Der Weg führte zur Programmmusik, die sehr viel später über Beethovens "Pastoralsinfonie" bei Komponisten wie Hector Berlioz und Franz Liszt zu einem bestimmenden Merkmal ihres Schaffens wurden.

In Vivaldis "Vier Jahresszeiten" liegt das für diese Art der Tonmalerei erste große zyklische Werk vor, das inzwischen immer wieder auf den Programmzetteln erscheint. Nach der Aufführung dieser "Le quattro stagioni" in der Basilika von Kloster Eberbach hatte das Rheingau Musik Festival die "Sonatori de la Gioiosa Marca" in den Fürst-von-Metternich-Saal auf Schloss Johannisberg eingeladen und setzte mit der Interpretation solcher Concerti die Begegnung mit Werken fort, die Vivaldi als einen Wegbereiter dieser musikalischen Kunstrichtung ausweisen.

Am Beginn des von begeistertem Beifall und Bravorufen begleiteten Abends in Kloster Eberbach stand das Concerto für Blockflöte und Streicher "La tempesta di mare". Solistin war hier wie in den folgenden Concerti Dorothee Oberlinger, die mit weichem, auch markantem Ton, nie spitz und zu scharf in den Höhenlagen, die Unbilden des aufgewühlten Meeres plastisch nachzeichnete, mit bestechender Fingerfertigkeit, blitzgeschwind in den vertrackten Läufen, von dem Ensemble souverän und wendig begleitet.

Gleiches ist auch von den folgenden Concerti zu berichten. Von den "Sonatori" und Oberlinger erhielten alle acht eine vom seidigen Glanz der Streicher sekundierte, facettenreiche Gestaltung.

Hervorragend geriet auch die Interpretation der Variationenreihe einer einsätzigen Sonate für zwei Violinen und Basso continuo, wunderschön erfasst wurden von "Sonatori de la Gioiosa Marca" die kapriziösen Flügelschläge und Triller des Distelfinks in dem Concerti "Il gardellino", dem die Traumsequenzen im Concerto in g-Moll "La notte" kontrastierten.

Ein von hinreißender Passion geprägtes Konzert mit einem exzellenten Ensemble und einer virtuosen Solistin. Es spricht für die Künstler, dass ihnen die programmatische Nachzeichnung von Naturzuständen und Gefühlen trotz plastischer Kontur wie ein Pastellgemälde mit feinem Pinselstrich geriet.

Wiesbadener Tagblatt, 09.08.2008