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Sonatori de la Gioiosa Marca

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Faszinierende Ausstrahlung
Die Zuschauer in Kleve erkämpften sich drei seltene Zugaben

Sie war ohne Zweifel der Star des Abends: Dorothee Oberlinger (Blockflöte), die mit ihrem Spiel das Publikum zu wahren Begeisterungsstürmen hinriss. Dazu kam noch eine besondere Ausstrahlung, die alle faszinierte. Damit soll keineswegs die große Leistung des begleitenden Ensembles geschmälert werden. Die "Sonatori de la Gioiosa Marca" gehören zu den renommiertesten Barockensembles und wurden mehrfach ausgezeichnet bei internationalen Wettbewerben. In ihrer interessantesten Besetzung mit zwei Violinen (Giorgio Fava, Giovanni Dalla Vecchia), Viola (Judit Földes), Violoncello (Walter Vestidello), Kontrabass (Giancarlo Pavan), Laute (Giancarlo Rado) und Cembalo (Giancarlo Rosato) trafen sie genau den musikalischen Nerv des Barock. Das gemeinsame Musizieren dieses exzellenten Ensembles mit einer hochtalentierten Flötistin faszinierte das Publikum schon beim ersten Beitrag. Auf ihrer Reise von Venedig nach Neapel machten die Gäste zunächst Halt in Venedig, dem Geburtsort Antonio Vivaldis, der im Laufe des Abends noch häufiger zitiert wurde. Sein "Concerto op. 10 'La Notte'", in der sich die Flötistin mit ihrer Altblockflöte vorstellte, zeigte die große Virtuosität Dorothee Oberlingers, die auch in den folgenden Stücken immer wieder erstaunen ließ.

In der Komposition "Folia" von Giovanni Reali begeisterten die Sonatori mit ihrem perfekten und gut abgestimmten Spiel. Mit zwei weiteren Concerti von Vivaldi, in denen vor allem im letzten, dem "Concerto G-Dur RV 444", ein extremes Tempo erkennbar war, das man wohl kaum noch überbieten kann, verabschiedeten sich die Solisten von Venedig. Da die Sonatori "Da Venezia a Napoli" reisen wollten, hieß ihr Ziel Neapel, eine Weltstadt mit Flair. Auch hier entwickelte sich - ähnlich wie in Venedig - zur Zeit des Barock eine vom Hof geförderte künstlerische Blütezeit Franceso Durante und Domenico Sarri müssen hier genannt werden. Von Durante spielte das Ensemble nach der Pause das "Concerto a-moll", das einen schönen Schlusspunkt setzte. Als krönenden Abschluss erreichten die Zuhörer mit Standing Ovations drei Zugaben - wen wundert's: von Vivaldi - eine echte Seltenheit bei Reihenkonzerten.

Neue Rheinische Zeitung, 27. April 2006