Vivaldi unübertroffen
FONO FORUM 03/2009 weist den Weg durch die diversen Interpretationen von Vivaldis "Vier Jahreszeiten"
Was die lautmalerische, beschreibende Darstellung
des Jahreszeiten-Zyklus anbelangt, eröffneten vor
allem die Geiger und Ensembles der Alte-Musik-
Bewegung völlig neue Perspektiven. In den achtziger
und neunziger Jahren hat jeder namhafte Geiger
der Szene seinen Vivaldi eingespielt. Wo singen die
Vögel im Frühling am schönsten,
wo drückt die Hitze im Sommer
besonders schwer, wo tanzen die
Landleute im Herbst besonders ausgelassen,
oder wo klappern die
Zähne im Winter vor Kälte
besonders laut?
Fragen, die nicht
pauschal zu beantworten sind, hier
spielen immer Fantasie und
Toleranzgrenzen des Hörers mit.
Problematisch ist punktuell eine
gewisse Tendenz zur Übertreibung,
der Zwang, eben alles noch einmal
deutlicher sagen zu wollen. Ob
Standage, Biondi, Onofri, Manze
oder Carmignola: Sie alle haben
dazu beigetragen, dass Vivaldis
Jahreszeiten-Welt bunter erscheint
als je zuvor.
[...]
Unübertroffen scheint mir bislang Giuliano
Carmignolas erste Aufnahme mit den Sonatori de
la gioiosa marca von 1992. Ein Geniestreich: pakkend
lebendig, instrumental äußerst brillant, klanglich
transparent und farbig bis in den letzten
Winkel der Partitur.
Norbert Hornig in FONO FORUM 03/2009, S. 28-31.