Die Mazzocchis stellen eine der wichtigsten
Musikerdynastien Roms im 17. Jahrhundert dar. ( ... )
Konrad Junghänel eröffnet uns nun endlich die
Möglichkeit, das nicht weniger eindrucksvolle Talent
seines (Anm.: von Domenico) jüngeren Bruders Virgilio zu
entdecken. Er war Kappellmeister mehrerer römischer
Institutionen ... (und) einer der wichtigsten dramatischen
Komponisten der römischen Schule. Ebenso hat er ein
umfangreiches sakrales Werk hinterlassen, darunter zwei
gedruckte Sammlungen (erschienen 1640 und 1648) mit
Motetten und Psalmen. Auf diese stützt Konrad
Junghänel sich nun bei seiner Rekonstruktion einer
Marienvesper wie sie im Petersdom um 1640 hätte
erklingen können.
Die Psalmen weisen eine vielseitige mehrchörige
Architektur von kontrapunktischem Einfallsreichtum und
Pracht auf, in denen Episoden unterschiedlicher
Handschrift und von kontrastierendem Ausdruck sich
abwechseln. Solistische Motetten verleihen den Affekten
nuancenreichen Ausdruck, darunter einige, die den
Werken der wichtigsten Kollegen und Vorgänger am
Petersdom entnommen sind. Da sind u.a. ein Salve
regina von Carissimi und eine Canzona von Frescobaldi -
wahre Juwelen, die in diesem ohnehin prachtvollen
Umfeld funkeln.
Allen Stücken widerfährt höchste Sorgfalt seitens der
Bläser von Concerto Palatino (Bruce Dickey verklärt als
fulminanter Zinkenist das Exsurge cor meum von
Carissimi) wie auch der Stimmen von Cantus Cölln,
durchweg makellos in Klang und Intonation. Konrad
Junghänel prägt die Aufnahme in intelligenter Weise mit
rhythmischer Vitalität und Theatralität und wahrt das
perfekte Gleichgewicht zwischen Stimmen und
Instrumenten. Dabei verschafft er jedem einzelnen
berechtigte Geltung ohne die textliche Aussage jemals ins
Hintertreffen geraten zu lassen. Ein kostbarer Beitrag zur
Diskographie der Barockmusik Roms.
Denis Morrier in diapason 03/2009